Erst wenn Finsternis herrscht, schätzen wir das Licht. Diesen schönen Satz habe ich mir selbstverständlich nicht selbst ausgedacht, sondern sicher irgendwo gelesen und behalten, weil er auf etlichen Ebenen eine Alltagserfahrung beschreibt. Ich war jedenfalls oft heilfroh, nach Dreharbeiten für Dokumentationen in, sagen wir, Zentralafrika in ein Gemeinwesen zurückzukehren, in dem das Zusammenleben verlässlichen Regeln folgt, die wir oft für selbstverständlich halten.
Verlässlichkeit ist auch für Lukas Wunschik entscheidend. Als DoP dreht er regelmäßig Dokumentationen und Reportagen in Regionen, die bei uns als „Krisengebiete“ laufen, häufig allein. Moderne Technologie ermöglicht ihm, solo für Bild und Ton verantwortlich zu sein. Doch möglich heißt nicht wünschenswert: Lieber arbeitet Wunschik mit erfahrenen Tonleuten, die Verantwortung teilen, mitdenken und im Notfall übernehmen könnten. Der Wert professioneller Arbeitsteilung zeigt sich leider oft erst, wenn sie weggespart wurde, so eine Erkenntnis unseres Gesprächs in diesem Heft ab Seite 72.
Letzten Monat hatte der Satz ganz oben jedoch eine sehr wörtliche Bedeutung. Denn während der totalen Sonnenfinsternis am 12. August verschwand das Sonnenlicht vom Abendhimmel. Selbst für jemanden, der beruflich mit Wörtern umgeht, war das eine Erfahrung, die sich nur schwer beschreiben lässt.
Das Sonnenlicht ist für Kameraleute weniger ein Naturschauspiel als ein Arbeitsmittel. Es kostet zwar nichts, lässt sich dafür aber weder ein- noch ausschalten. Wer damit gestalten will, muss wissen, wann es wo in welchem Winkel einfällt und wie lange es bleibt. Mit genau diesen Fragen beschäftigen wir uns im Setwissen „Gratislicht“, zu lesen ab Seite 8.
Die Bewegungen von Sonne, Erde und Mond lassen sich genau vorausberechnen. Verlässlichkeit in Teams und Rechtsstaatlichkeit im Gemeinwesen sind dagegen kein Naturzustand. Wir müssen uns um beides kümmern. Am besten tun wir das, bevor Finsternis hereinbricht.
Euer
Uwe Agnes
Chefredakteur
Ausgabe 03.2026
FOKUS
Editorial
Drei Fragen an … Martijn van der Linden, Bildregisseur aus Almere
Setwissen: Gratislicht Die Sonne steht als Lichtquelle kostenlos zur Verfügung. Gute Planung spart Zeit und Geld, wenn man das nutzen möchte.
VISION
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HANDS-ON
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DIALOG
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BRANCHE
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