Auch bei Licht und Ausstattung setzte Łukasz Żal auf Zurückhaltung. Das Ziel war nicht Perfektion, sondern Glaubwürdigkeit und emotionale Nähe jenseits der Technik.
Foto: Agata Grzybowska / Focus Features
Auch in der Lichtgestaltung setzte sich der zuvor entwickelte Ansatz fort. Ziel war ein möglichst natürlicher Bildeindruck, ohne jedoch auf Kontrolle bei der Umsetzung zu verzichten. Gerade in den zahlreichen Außenszenen im Wald stellte dies das Team vor erhebliche Herausforderungen. Dichte Vegetation, wechselnde Lichtverhältnisse und begrenzte Eingriffsmöglichkeiten machten eine klassische Ausleuchtung nahezu unmöglich.
Bei der Arbeit mit natürlichem Licht spielte daher auch die präzise Abstimmung von Drehplan und Tageszeiten eine zentrale Rolle. Łukasz Żal und Oberbeleuchter Sol Saihati sprachen sich mit 1st AD Marc Wilson ab, um Außenaufnahmen konsequent nach Sonnenstand zu planen und Szenen entsprechend zu priorisieren oder falls nötig über mehrere Tage hinweg fortzuführen.
Auch logistisch waren die Waldszenen eine beträchtliche Herausforderung. Gemeinsam mit Żal und Zhao suchte Saihati oft über Tage hinweg nach geeigneten Motiven, teils tief in unerschlossenen Waldgebieten. Die technische Umsetzung lag beim Rigging-Team um Al Brown, das selbst unter schwierigen Bedingungen Equipment zu Fuß über weite Strecken transportierte und komplexe Setups fernab jeder Infrastruktur realisierte.
Żal und sein Team entschieden sich für eine Arbeitsweise, die vorhandenes Licht aufnimmt und behutsam formt, statt es zu ersetzen. Häufig kamen großflächige Bounce-Materialien und Negativfüllungen zum Einsatz, um Kontraste zu steuern und die Gesichter der Figuren modelliert im Raum zu halten, ohne den Eindruck künstlicher Beleuchtung zu erzeugen.
Auch die Wahl des Equipments folgte diesem Prinzip. Saihati arbeitete mit einem vielseitigen, aber bewusst zurückhaltend eingesetzten Portfolio aus unter anderem Creamsource Vortex, LiteGear LiteMat und Astera Titan Tubes, ergänzt durch unterschiedlichste textile Materialien. Ziel war es, die Technik so weit wie möglich im Bild verschwinden zu lassen. Entsprechend wurden Logos und Displays abgeklebt, Stative und Grip-Equipment möglichst unauffällig gehalten. Licht wurde fast immer durch Stoffe geführt. Gebleichte und ungebleichte Musseline spielten dabei eine zentrale Rolle, sei es als Diffusion vor der Lichtquelle oder als Teil größerer Aufbauten.
Bei den Nachtszenen arbeitete Żal bevorzugt mit vorhandenen Lichtquellen wie Kerzen und Feuerstellen, die gezielt ergänzt und verstärkt wurden. Entscheidend war für den DoP dabei nicht die perfekte Ausleuchtung, sondern die Glaubwürdigkeit des Moments.
Hinter der Bühne: Paul Mescal als William Shakespeare (Foto: Focus Features)
Jenseits der Bilder
Während der Dreharbeiten suchte Łukasz Żal immer wieder nach Möglichkeiten, mit der emotionalen Intensität des Stoffes umzugehen. Zwischen den Takes zog er sich zurück, meditierte und versuchte so, eine gesunde Balance zwischen Distanz und Verbindung zu finden.
Einer seiner liebsten Momente findet sich in einer vergleichsweise stillen Szene: William kehrt nach seinem Auftritt als Geist von Hamlets Vater hinter die Bühne zurück, wäscht sich die Maske ab und beobachtet anschließend aus dem Off gebannt dem Geschehen.
„Als wir diese Szene gedreht haben, hatte ich Tränen in den Augen“, so Żal im Gespräch mit dem „American Cinematographer“. „Darin steckt so viel von uns, von uns Filmemachern, von unserem Leben. Wir sind so oft allein, in Hotelzimmern, an Sets, unterwegs zwischen Flügen, Zügen und Nächten ohne Schlaf. In diesem Moment fühlte ich mich Will sehr nah.“
Gerade in solchen Augenblicken zeige sich für ihn, warum sich all der Aufwand lohnt. Es gehe nicht um das einzelne Bild, sondern um das, was darin sichtbar werde: eine Form von Nähe, die über die Figuren hinausweist – und die sich im besten Fall auch auf das Publikum überträgt. [15617]