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Nachrichtenproduktion für die „tagesschau“ (2)

Gegenwart und Zukunft der „tagesschau“-Produktion

Die „tagesschau“ ist eines der ARD-Flaggschiff-Formate. In einem Dreischichtbetrieb rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr werden hier Fernsehnachrichten produziert. Wir haben dabei zugesehen und erfahren, wohin die Reise bei der technologischen Weiterentwicklung geht.

Im Ingest-Raum
Im Ingest-Raum kommt sämtliches Bewegtbildmaterial an, wird auf Qualität geprüft und der Redaktion zur Verfügung gestellt. (Foto: Creative Art Production)

Der Ingest ist das zentrale Materialmanagement der „tagesschau“. Hier kommt sämtliches Bewegbildmaterial an, seien es Beiträge von Auslands- und Inlands-Korrespondenten, Bildmaterial von Agenturen wie AFP, AP, Reuters, Livesignale wie etwa von Pressekonferenzen oder aus dem Bundestag oder Material aus der EBU. Auf zwei Grass Valley Quantel-Festplatten-Servern können insgesamt jeweils etwa 600 Stunden HD-Material gespeichert werden. Beim Ingest kommt Bewegtbildmaterial aus der gesamten Welt über Glasfaserleitungen, LiveU-Einheiten, Satelliten, Internet und aus Mobilfunknetzen in unterschiedlicher Qualität an. Die Kolleginnen und Kollegen im Ingest sind auch für die Qualitätskontrolle des eingehenden Materials verantwortlich, das danach archiviert und für die „tagesschau“-Redaktion bereitgestellt wird.

Redaktionelle und produktionstechnische Zukunft

Die Möglichkeiten, schnelle Live-Berichte an „tagesschau“-Ingest und -Redaktion zu senden, sind heutzutage vielfältig und technologisch teils niedrigschwellig. Im Prinzip ist das bereits mit Smartphones möglich, eine Stufe anspruchsvoller wären kompakte Reportage-Kameras mit drahtlosen Mikrofonensets und LiveU-Einheiten. Um solche Mittel für schnelle Live- Berichterstattung wirklich nutzen zu können, müssten aber auch redaktionsseitig bei den zuständigen Sendeanstalten der ARD entsprechende Bereitschaftsdienste für „Breaking News“ in Deutschland, bereitstehen. Dabei erhebt sich natürlich die Frage, ob man unbedingt auf schnelle Liveschalten um jeden Preis oder eher auf fundierte Berichterstattung setzen möchte.

Die aktuell vorhandene Produktionstechnik, die seit Ostern 2014 rund um die Uhr läuft, ist an die technische Altersgrenze gekommen und muss daher in absehbarer Zeit erneuert werden, so die Einschätzung von Andreas Lützkendorf, Abteilungsleitung Strategie und Innovation bei „tagesschau“ und „tagesschau24“. Dafür ist zuerst die strategische Entscheidung für die nächs- ten zehn bis zwölf Jahre zu treffen, ob es bei einer SDI-ba- sierten Archiktektur bleiben oder auf IP-basierte Systeme umgestellt werden soll. Bleiben wird das Produktionsformat HD, dann allerdings statt in 720p in 1.080p/50 mit Stereoton. Für Andreas Lützkendorf muss eine neue Technik sich vor allem durch unbedingte Zuverlässigkeit auszeichnen. Es sei undenkbar, dass während der 20-Uhr-Tagesschau durch technische Ausfälle Schwarzbild zu sehen sein könnte. Daher hat sich das Projektteam der tagesschau bereits bei anderen TV-Sendern in Europa deren neueste IP-Technik angeschaut. „IP wird kommen, nur wann?“, ist für den Abteilungsleiter die spannende Frage. Wenn also demnächst die Entscheidung für eine IP-basierte Systemarchitektur fallen sollte, müsste beim NDR in Hamburg, der aktuell noch ohne IP-Technik arbeitet, als Nächstes die neue Technologie erst einmal getestet werden. Aktuell läuft eine Marktrecherche dazu.

Im „tagesschau“-Studio
Im „tagesschau“-Studio sucht man Kameraleute vergebens: Die Technik wird ferngesteuert. (Foto: Creative Art Production)

Im 1. Quartal 2024 wird es dann eine europaweite Ausschreibung mit allen Details geben, die sich derzeit in akribischer Vorbereitung befindet. Nach der Vorlage der Angebote wird es etwa neun Monate dauern, bis erste Aufträge an die Firmen vergeben werden können. Wenn dann Anfang 2025 das gesamte bestellte Material und die neuen Gerät eingetroffen sind, kann der Startschuss für die Erneuerung der Studiotechnik fallen. Dann wird es auch ein neues Set-Design im Studio geben. Gleichzeitig muss aber auch noch der tägliche Betrieb der „tagesschau“ sichergestellt sein. Andreas Lützkendorf hofft, 2026 das neue „tagesschau“-Studio selbst in Betrieb nehmen zu können.

Fazit

Der dreistündige Produktionsbesuch bei der „tagesschau“ zeigte den enormen Aufwand, der nötig ist, um Nachrichten für das Fernsehen und die Online-Medien rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zu produzieren. Vom Eingang einer Meldung mit und ohne Videomaterial, Recherche, Faktencheck, Texterstellung, Herstellung von Filmbeiträgen mit Grafiken, Nutzung von acht Arbeitsplätzen in der Regie und dem letztendlichen Präsentieren der Meldung in der „tagesschau“ ist es ein langer Weg, den ein redaktionell und produktionstechnisch eingespieltes für bis zu 18 Sendungen in 24 Stunden hochprofessionell realisiert, so dass zu Recht seit mehr als 70 Jahren die „tagesschau“ die Nachrichteninstitution Nummer 1 in Deutschland ist. [15405]


Lesen Sie hier, wie Newsroom und Regie bei der „tagesschau“ arbeiten!


 

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