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Woher kommen die Angriffe auf Medienvertreter bei Demonstrationen?

Free Download: Hass aus der Mitte

In den letzten Jahren verschärft sich der Ton gegenüber Journalisten und Kameraleuten, vor allem auf Demonstrationen. Die Übergriffe und Straftaten gegen Medienvertreter haben sich 2020 sogar mehr als verdoppelt. Trauriger Höhepunkt war der tätliche Angriff auf ein „heute show“-Team im Umfeld einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin Anfang Mai. Wir fragten  in unserer Ausgabe 3.2021 drei Medienvertreter, welche Angriffe sie bereits erdulden mussten und wie sie die aktuelle Situation einschätzen. Hier gibt es nun den kompletten Artikel zum kostenlosen Download!

Abdelkarim hat eine große Klappe. Das ist auch sein Job. Als Kabarettist tourt der gebürtige Bielefelder über die Bühnen dieses Landes, setzt sich mit seinem YouTube- Kanal „Abdelkratie“ für politische Bildung ein und ist Reporter für die „heute show“. Wenn man ihm gegenüber- steht, hat man den Eindruck: Den haut so schnell nichts um. Als er am 8. Mai neben Oliver Welke im „heute show“- Studio vom Vorfall in der Vorwoche berichtete, war er zwar gewohnt eloquent, aber man merkte ihm an, dass ihm das Erlebte in den Knochen steckte.

Das ist nur zu verständlich. Denn am 1. Mai war ein siebenköpfiges Team der Satire-Sendung nach Interviews im Umfeld der sogenannten „Hygienedemo“ auf dem Weg zu ihren Fahrzeugen, als ein vermummter Mob mit Schlägen und Tritten über sie herfiel. Medienberichte gehen heute von einer Gruppe von etwa 25 Leuten aus, sie waren mit Eisenstangen bewaffnet. Fünf Personen wurden verletzt, eine bis zur Bewusstlosigkeit getreten.

Otto Normalbürger

Für Medienvertreter ist der Vorfall alarmierend. Thomas Moser schrieb am 18. Juli 2020 auf heise.de: „Auffallend war, berichten Beteiligte, dass sich die Angreifer vor allem auf den Kameramann und den Tonmann konzentrierten […].“ Das hat sicher damit zu tun, dass sie aufgrund der Technik am leichtesten identifizierbar sind. Doch ein Einzelfall ist das nicht.


Übergriffe dokumentieren

Wer als Mitglied eines TV-Teams Opfer eines Übergriffs, einer Attacke oder anderweitiger Bedrohungen wird, hat immer die Möglichkeit, Strafanzeige zu stellen. Dies hat – auch für den Fall, dass wenig Aussicht auf Erfolg besteht, den Angreifer zu bestrafen – immerhin den Vorteil, den Angriff offiziell zu dokumentieren. Wer dennoch von einer Strafanzeige absehen möchte, kann den Vorfall auch bei Reporter ohne Grenzen e.V. melden: uebergriffe@reporter-ohne-grenzen.de


Süddeutsche Zeitung und WDR veröffentlichten kürzlich Daten aus einer Kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag. Das Bundesinnenministerium teilt darin mit, dass dem Kriminalpolizeilichen Meldedienst im Jahr 2020 252 Straftaten gegen „die Medien“ gemeldet wurden. Es ist von 22 Körperverletzungen und 33 Sachbeschädigungen die Rede, zusätzlich Brandstiftungen und eine hohe Zahl von Bedrohungen, Nötigungen, Volksverhetzung, Erpressung und Propagandadelikte. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass sich die Zahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat. In den beiden Vorjahren war die Zahl relativ stabil mit 103 Delikten in 2019 und 93 in 2018. Frank Trautmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Fernsehkameraleute, ist erschrocken über diese Entwicklung. „In Deutschland besteht bei der Berichterstattung normalerweise nicht eine derartige Gefährdung. Das ist neu“, sagt er. „Der BVFK-Vorstand verurteilt das aufs Schärfste.“ Eine wachsende ablehnende Haltung vieler Teilnehmer von Demonstrationen gegenüber Medienvertretern beobachten viele Kameraleute und Journalisten seit geraumer Zeit.


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